Diversity

XENOS-Projekt

Durch Diversity Horizonte erweitern

Ob und wie die Integration benachteiligter Jugendlicher und junger Erwachsener in den Arbeitsmarkt gelingt, entscheidet mit über wirtschaftlichen Erfolg und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Toleranz und Demokratiebewusstsein zu stärken, sehen wir dabei als Kernaufgaben. Mit dem Projekt „Vielfalt und soziale Gerechtigkeit“ unterstützen wir Auszubildende dabei, Vielfalt als Gewinn zu erleben und sinnvoll für sich zu nutzen.

Jugendliche und Heranwachsende sind häufig stark durch ihre Herkunft geprägt. Das gilt auch und gerade im Berufsleben: Die Ablehnung anderer Lebensweisen und das Gefühl, selbst fremd zu sein, führen immer wieder zum Abbruch der Ausbildung oder zur Ablehnung einer Arbeitsstelle. Inzwischen setzen jedoch immer mehr Unternehmen auf kulturelle Vielfalt in der Belegschaft –Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind aufgefordert, ihre unterschiedlichen Fähigkeiten einzubringen und ihre Verschiedenheit zu nutzen, um produktiver zu sein. Experten sprechen von „Diversity-Kompetenz“. Sie gilt heute als Schlüsselkompetenz für den beruflichen Erfolg.

Unser XENOS-Projekt "Vielfalt und soziale Gerechtigkeit – durch Diversity Horizonte erweitern" richtet sich an Auszubildende aus Brandenburg und beiden Teilen Berlins. Junge Menschen sollen die verschiedenen Aspekte von Vielfalt im Kontext von Arbeit und Schule erfahren und lernen, diese sinnvoll nutzen. Zu den inhaltlichen Bausteinen des Projektes zählen Themen wie Rassismus und Rechtsextremismus, Geschlechterrollen, Konflikte und Toleranz, Kultur als Synonym für Ungleichheit, Ost-West-Herkunft als Teil der Identität und eigene Partizipation in der Ausbildung, am Arbeitsplatz und in der Gesellschaft.

Kontinuierliche Begleitung über drei Jahre

Das XENOS-Projekt läuft von Mai 2009 bis März 2012. Über einen Zeitraum von drei Jahren hinweg unterstützen wir betriebliche und überbetriebliche Ausbildungseinrichtungen dabei, einen produktiven Umgang mit Unterschiedlichkeit im Arbeitsleben zu entwickeln. Ausbildungsgruppen werden über zwei bis drei Jahre kontinuierlich begleitet. Dabei werden verschiedene Seminareinheiten rund um das Thema Diversity und soziale Gerechtigkeit durchgeführt. Die Seminareinheiten sind modular aufgebaut. Zentraler Bezugspunkt aller Module ist ein unmittelbarer Nutzen für die Jugendlichen in einer globalen Arbeitswelt.

Ziel ist es, auf Mitarbeiterinnen- und Mitarbeiter-Ebene eine Diversity-Strategie zu entwickeln und dauerhaft umzusetzen. Über die Qualifikation von Multiplikatoren erhalten die Ausbildungseinrichtungen die Chance, einen wichtigen Schritt zu unternehmen, um junge Menschen nachhaltig für das Berufsleben zu qualifizieren und darüber hinaus nichtdemokratische, rechtsextreme oder ausgrenzende Einstellungen in der eigenen Belegschaft abzubauen.

Zur Auswahl stehende Module:

1. Konflikte und Toleranz: konstruktive Konfliktbearbeitung, Erfahren von Toleranzgrenzen, Kommunikationsfähigkeiten im interkulturellen Kontext.

2. Rechtsextremismus: rechtsextreme Ideologien und deren Feindbilder, rechtsextreme Symbole, geschichtlicher Bezug.

3. Rassismus: Vorurteile und Stereotypen, Rassismus in der Gesellschaft, Diskriminierung, Islamophobie.

4. Antisemitismus: jüdisches Leben, Antisemitismus in Vergangenheit und Gegenwart, Nationalsozialismus.

5. Europäische Union: Vor- und Nachteile der EU, arbeitsmarktbezogene Möglichkeiten für junge ArbeitnehmerInnen.

6. Kultur: Werte und Normen verschiedener Kulturen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede, Kultur als Synonym für Ungleichheit und Dominanz, friedliches Zusammenleben, interkulturelle Kompetenzen.

7. Religion: Religionen kennenlernen, interreligiöser Dialog, Politisierung von Religion (Islamismus), religiös motivierter Antisemitismus.

8. Ost-West: Herkunft als Teil der Identität, Vorurteile über Ost- und Westdeutsche, historische Bezüge und Hintergründe, Jugendsubkulturen.

9. Geschlechterrollen und Lebensweisen: Geschlechternormen, Chancen(un)gleichheit, Geschlechtsspezifik in der Ausbildung, Homosexualität und Homophobie.

10. Demokratie und Entscheidungsfindung: demokratisches Handeln, eigene Partizipation in der Ausbildung, am Arbeitsplatz, in der Gesellschaft, Grundlagen demokratischer Entscheidungsfindung, Umgang mit Minderheiten.

Die Themen werden über den Zeitraum eines Ausbildungsverlaufs (jedes Modul dauert 3 Tage) bearbeitet. Dabei werden sowohl die Interessen der Jugendlichen (sechs Module stehen zur Auswahl) als auch die Anforderungen des jeweiligen Ausbildungsgangs (Kundenkontakt, Auslandskontakte...) berücksichtigt. Darüber hinaus werden Kompetenzen im Bereich der Teamarbeit und Arbeitsorganisation entwickelt. Wichtig ist, dass die Teilnehmenden lernen, den Zusammenhang von Diversity-Strategien und ihren eigenen Arbeitsanforderungen zu erkennen. Um individuelle Lernbarrieren, aber auch Lernerfolge zu erfassen und im weiteren Verlauf des Projekts zu berücksichtigen, können individuelle 'Lerngespräche' geführt werden.

Für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, die mit den Jugendlichen arbeiten, besteht zusätzlich die Möglichkeit, an einer Train-the-Trainer-Ausbildung teilzunehmen. Dort werden Inhalte und Methoden des Diversity-Ansatzes vermittelt. Wie die Jugendlichen können auch die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus den genannten Modulen wählen.

Innovative Aspekte

In Abstimmung mit den Einrichtungen bestimmen die Teilnehmenden das Thema selbst und definieren ihren eigenen Bildungsbedarf. So partizipieren sie aktiv und erfahren die Teilnahme am Projekt als einen selbstbestimmten Prozess. Hierfür ist vor dem ersten Modul ein ganzer Tag vorgesehen.

Nach Wilhelm Heitmeyer bestehen die meisten Vorurteile dort, wo keine Begegnung stattfindet (vgl. 'Deutsche Zustände', Bielefeld 2006). Einen Schwerpunkt unserer Arbeit bildet deshalb die vorbereitete und begleitete Begegnung zwischen Gruppen mit möglichst differenter Zusammensetzung. Unterschiedlichkeit soll als interessant und nicht als bedrohlich erlebt werden. Mithilfe von Kooperationsübungen aus dem Interkulturellen Lernen entdecken die Teilnehmenden die unterschiedlichen Qualitäten und Fähigkeiten aneinander. Sie lernen, im Team zu arbeiten, einander zu ergänzen und erleben so im Umgang miteinander die produktiven Aspekte von Diversity.

Nachhaltigkeit und Transfer

Die im Projekt erworbenen Diversity-Kompetenzen werden von den Auszubildenden direkt angewendet. Das unmittelbare Erleben führt in der Regel zu bleibenden Erfahrungen. Auf diese Weise entsteht eine besondere Form der Nachhaltigkeit. Die Diversity-Kompetenzen werden mit einem Zertifikat bescheinigt, wodurch die Chancen der jungen Leute auf dem Arbeitsmarkt erhöht werden.

Auf der Abschlusstagung am 26. Januar 2012 in der Werkstatt der Kulturen werden die Ergebnisse des Projekts präsentiert. So wird ein Transfer in die interessierte Öffentlichkeit und eine Wertschätzung der von den Auszubildenden geleisteten Arbeit gewährleistet.

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